Skithingi

Mächtig und stark, die Wallstatt des Königs,
Der den Toringi die Heere befahl.
Weithin im Land sieht man die hölzernen Türme.
Erhaben und stolz erhebt sie sich trutzend über dem Tal.

Die hölzerne Festung so ward sie genannt.
Die letzte Wallburg vorm Herzynischen Wald
Bis auf den Tag sie nie hat gebrannt
Doch sieht sie ihr Ende bald.

Die prasselnden Feuer erhellen mit ihrem Schein das Dunkel der Nacht.
Durch die Stille dringt das Wetzen der Klingen am Abend vor der großen Schlacht.

Es ward dereinst der Warnen Blut, Hermenefreds Ahnen durch Elbesflut,
Gekommen zu eingen mit Freundes Band, durch Merwigs Krone Toring nun zum Königsland.

Mit Brudermorden den Feind entfacht, vom Frankenlande sich aufgemacht
Der Salenkönig Theuderich, mit Sachsenhilfe stellt er sich.

Die Heere stürmen, das Blut es fliesst
Zum Schoße von Toringens Pforte
Skithingi in Flammen, der Feinde Sieg,
Doch sicher ist des Königs Horte.


„Skithingi“ beschreibt nun die letzte Schlacht im Streit um das Königreich der Thüringer. Skithingi (Skit ingen – die Leute von der hölzernen Burg) ist nach der Legende die letzte große Fluchtburg des Thüringer Königs Herminafrid. Am 1. Gilbhart des Jahres 531 gingen die Heere zum Streit zu Füßen der Burg Skithingi. Sie stritten einen ganzen Tag und den folgenden, bevor sich die Thüringer, bedrückt durch die Übermacht der Franken und Sachsen, in die Burg zurückzogen. Nach dem Sieg der feindlichen Heere wollten die Heerführer den königlichen Schatz für sich. Doch bleibt der Königshort bis heute verborgen. Die Franken und die
Sachsen teilten das Land unter sich auf. Doch sollten sich die Thüringer nie
wirklich in ihr Schicksal fügen und probten
mehr als nur einmal den Aufstand.